Schurter schlägt Absalon und wird Weltmeister
Nino Schurter ist der neue Mountainbike-Weltmeister. Der Bündner schlägt Julien Absalon nach einem packenden Rennen und distanziert den Franzosen kurz vor dem Ziel um die wenigen, aber entscheidenden Meter. Hinter Absalon wird Schurters Freund Florian Vogel Dritter, er setzt sich gegen José Hermida im Sprint durch.
Nur ein Jahr nachdem Schurter im Val di Sole noch U23-Weltmeister geworden ist, setzt er sich nun auch in der Elite-Klasse durch. Diesen Sprung ist vor Schurter noch keinem Cross Country-Fahrer im Mountainbikesport gelungen, weder Julien Absalon noch Miguel Martinez konnten unmittelbar nach ihrer Zeit als U23-Fahrer umgehend in der Elite-Klasse reüssieren. Absalon hat bereits früher oft darauf hingewiesen, dass sein Fokus vor allem Schurter gelte – nun ist er ein Opfer seiner eigenen Prognosen geworden.
Das grosse Duell
Schurter ist im Rennen in Canberra der einzige Fahrer, der Absalon Paroli bieten kann. Die beiden setzen sich vom Rest des Feldes ab und regelmässige Attacken Absalons halten das Tempo hoch. Schurter fährt ein enorm kluges Rennen und immer wieder muss Absalon erfahren, dass er sich weder ab- noch durchsetzen kann. Bei wichtigen Stellen ist es Schurter, der etwas schneller ist, so auch im letzten kurzen Anstieg, wo der Schweizer den entscheidenden Vorsprung von ein paar wenigen Metern erzielt und diese mit einem Kraftakt ins Ziel bringen kann. Nachdem Absalon vor einem Jahr den Weltmeistertitel an Sauser abgeben musste, steht ihm mit Schurter erneut ein Schweizer vor der Sonne. Absalon wollte unbedingt den Weltmeister-Titel zurück, umso höher ist die Leistung Schurters einzuschätzen. In Fachkreisen ist man sich einig: Das dürfte das beste Cross Country-Rennen aller Zeiten gewesen sein.
Taktische Meisterleistung von Schurter und Vogel
«Ein Traum ist in Erfüllung gegangen. Ich habe bis zum Schluss eigentlich gedacht, ich fahre nur um Silber, irgendwann hängt mich Julien ab. Aber ich habe auch gemerkt, dass Julien immer mehr Fehler macht und als es in die letzte Feedzone ging, da wusste ich: Jetzt muss ich versuchen, weg zu kommen. Zuvor konnte ich alle seine Attacken kontern», erklärt Schurter im Ziel den Rennverlauf. Gleichzeitig weist er auf den entscheidenden Vorteil, die Unterstützung Vogels zu haben. «Ich hatte den Vorteil, dass Absalon viel Führungsarbeit leisten musste, weil Florian hinter uns lag. Dadurch konnte ich viel Energie sparen. Ohne die Hilfe von Florian wäre ich wohl kaum in eine solche Situation gekommen“, erklärt Schurter. Teamtaktisch gilt die Regel, dass in der Spitzengruppe nicht unnötig Tempo gemacht werden soll, wenn in der Verfolgung Teamkollegen fahren. Gleichzeitig ist in der Verfolgung die Lage so abzusichern, dass die Lücke zur Spitze nicht geschlossen wird um vorne dem Teamkollegen den Sieg zu ermöglichen. Schurter und Vogel zeigten im Weltmeisterschafts-Rennen eine Mannschaftsleistung der Superklasse.
Dritte WM-Medaille für Vogel
Florian Vogel steht zum dritten Mal in Folge bei Weltmeisterschaften auf dem Podest. Nach Bronze in Fort William und Silber in Val di Sole gewinnt er in Canberra nun nochmals Bronze. «Ich war technisch nicht ganz so stark wie Nino und Julien. Ich habe mich auf das Duell mit José zu konzentriert und dabei natürlich keine Führungsarbeit geleistet um Nino vorne zu unterstützen. Am Schluss habe ich mir überlegt, ob ich überhaupt gegen Hermida sprinten soll nachdem er schon immer führen musste. Aber im Finale habe ich dann doch meine Chance gesucht», erklärt Vogel im Ziel.
Ernüchterung bei den restlichen Schweizern
Ernüchternd ist die Lage für Titelverteidiger Christoph Sauser, der auf Rang zehn weit weg seiner tatsächlichen Fähigkeiten ist. «Das ist zurzeit mein Niveau, mehr habe ich nicht drauf. Warum das so ist, kann ich nicht sagen», meint ein konsternierter Sauser, der bereits während der ganzen Saison nicht an die Erfolge des letzten Jahres anknüpfen kann.
Lukas Flückiger erreicht das Ziel auf Rang 43 nachdem auch er die Magendarm-Infektion im Schweizer Rennteam einfängt. Dagegen runde Martin Gujan auf Rang 13 die gute Schweizer Bilanz ab.
1. Nino Schurter (SUI), 2.04.39
2. Julien Absalon (FRA), 2.04.42, +0.03
3. Florian Vogel (SUI), 2.05.37, +0.58
4. José Hermida (ESP), 2.05.37, +0.58
5. Geoff Kabush (CAN), 2.06.43, +2.04
6. Cédric Ravanel (FRA), 2.07.14, +2.35
7. Jean-Christophe Peraud (FRA), 2.07.38, +2.59
8. Todd Wells (USA), 2.07.45, +3.06
9. Jaroslav Kulhavy (CZE), 2.08.01, +3.22
10. Christoph Sauser (SUI), 2.08.24, +3.45
13. Martin Gujan (SUI), 2.09.03, +4.24
43. Lukas Flückiger (SUI), 2.16.27, +11.48
Quelle: www.ride.ch